Besessenheiten

Still war es hier. Ich blicke zurück auf die letzten beiden Jahre.. und ganz besonders auf die letzten Monate und frage mich: "Und nun? Wie wird es weitergehen?" Ich erlebte Glück und ich erlebte wie dieses Glück sich in Leiden wandelte... eins, dass mich aufzufressen drohte.
Zwei Jahre... wirklich erst zwei Jahre? Die Zeit in der ich meine BDSM-Neigung entdeckte, erleben durfte und mich auf die Entdeckungsreise begab. Was wollte ich eigentlich, was sind meine Wünsche... was bedeutet SM für mich? Die ersten Versuche mit der erregenden Wirkung des Schmerzes, der sich in unglaubliche Lust wandeln kann. Ja, Erotik pur... und was für Gefühle! Fesseln... das Gefühl des Ausgeliefertseins. Toll... und ich lernte jede Menge Leute kennen, die mir gern behilflich sein wollten diese Gefühle zu erleben. Mich hatte eine Besessenheit gepackt. Ich tauchte ein in die Welt des BDSM mit einer Intensität, dass ich mich nach einiger Zeit wunderte, das SMler eine kleine Minderheit sein sollten. Die Auseinandersetzung mit dem Thema nahm so großen Raum in meinem Leben ein, dass meine Welt zu 90% aus Gleichgesinnten bestand.
Dann kam das Thema Unterwerfung dazu. Die Unterordnung meines Willens unter den einer andern Person. Ich stand dem keineswegs offen gegenüber, aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb setzte ich mich damit auseinander und je mehr ich mich damit beschäftigte, desto fantastischer erschien mir diese Vorstellung. Nein, da ging's nicht mehr um "Unterwerfung" in einer Session, das ging weiter. Es begann in der Zeit, als ich die Sub des Sarden war und da die räumliche Entfernung relativ wenig persönliche Kontakte möglich machte, war es in erster Linie eine geistige Auseinandersetzung mit mir selbst. Die Beziehung ging zuende... Neuorientierung.
D_M... ich lernte ihn kennen und in einer Zeit, als ich ziemlich am Boden war kamen wir uns immer näher... im Internet. Zwar nicht so weit weg wie Sardinien, aber weit genug. Es war eine schöne Beziehung auch wenn von Anfang an feststand, dass sie niemals aus dem Schatten herauskommen würde. Ich dachte ich könnte damit leben. Einige Seiten auf dieser Page legen Zeugnis ab über die schönen Stunden, die ich mit ihm verbringen durfte. Ja, die Art wie er mit mir umging war das, was ich mir von einem Top wünschte. Ich war glücklich. Ich war sehr verliebt. Die Entfernung? Egal... ich konnte ja schreiben und ich schrieb mich in einen Rausch. Nein, einfach war das nicht. Bewusst war mir schon, dass die Unbedingtheit mit der ich mich zu seiner Sklavin machte für mich auch viel Einsamkeit bedeuten würde. Glück nur wenige Tage im Jahr und das würde sich niemals ändern. Ich litt bei dem Gedanken und genoss dies Leiden. Eine Märtyrerin der Liebe.
Nicht die Liebe ist es, die blind macht... es ist die Besessenheit.
Ich schrieb.. nur für ihn, öffnete mein Innerstes, begab mich in eine Abhängigkeit. Und mit jedem Gedanken lockte ich den "Schwarzen Vogel". Ich hatte schwere Depressionen, die ich zu ignorieren versuchte... ich war doch glücklich! Irgendwann war es nicht mehr zu leugnen und glücklicherweise wurde ich wach bevor ich unter der U-Bahn lag. Es war nicht einfach mich von einer Vorstellung, die ich selber mit viel Energie geschaffen hatte, zu trennen, aber es war der richtige Weg. Ich musste hindurch...
Mit Besessenheiten ist das so eine Sache. Wir brauchen sie geradezu um etwas in Bewegung zu setzen, die notwendige Energie zu entwickeln... und dann? Stillstand im Leben, denn alles andere verliert an Bedeutung. Aber das Leben ist ständige Wandlung... wir müssen hindurch durch unsere Alltagswerke... und dabei bin ich heute vielleicht Sub und morgen Wolfsfrau.
Heißt das nun Abschied vom SM? Nein... warum, alles zu seiner Zeit...
Aber eines ist mir klar geworden... wichtiger als einen "Meister" zu haben ist es einen Partner zu haben und der muss in erster Linie andere Qualitäten als "Dominanz" haben.
Es wird weitergehen... Neues wird kommen, wir werden sehen was kommt...